Bitcoin kein sicherer Hafen wie Gold, sagt Roubini

Avatar-FotoBTC WhaleBitcoin1 month ago136 Views

Bitcoin ist kein sicherer Hafen wie Gold, sagt der US-Ökonom Nouriel Roubini – und stellt damit eine der ältesten Erzählungen rund um die Kryptowährung erneut infrage. Der an der New York University lehrende Wirtschaftswissenschafter verwies jüngst darauf, dass Bitcoin in Stressphasen nicht wie ein stabiler Wertspeicher funktioniert, sondern sich oft wie ein spekulativer Risiko-Asset verhält. Gerade für Anleger, die Bitcoin als digitales Gold sehen, ist das eine unbequeme These. Denn sie berührt den Kern der Debatte: Schützt Bitcoin in Krisen wirklich vor Inflation, Marktstress und Währungsabwertung – oder ist die Krypto eher ein hochvolatile Wette mit begrenzter Funktion als Wertspeicher?

Wer hat Bitcoin kritisiert – und was genau wurde gesagt?

Nouriel Roubini gehört seit Jahren zu den bekanntesten und lautesten Bitcoin-Skeptikern unter den Ökonomen. Der frühere Krisenwarner, der mit düsteren Prognosen zur Finanzkrise 2008 internationale Bekanntheit erlangte, argumentiert seit Langem, Bitcoin erfülle zentrale Merkmale eines sicheren Hafens nicht: keine stabile Kaufkraft, keine verlässliche Nachfrage in Krisen und keine tiefe Liquidität im Sinn eines etablierten Reserve-Assets. Seine jüngste Aussage fügt sich in dieses Muster ein. Bitcoin sei kein Ersatz für Gold, weil es in Phasen hoher Unsicherheit nicht verlässlich gegen Verluste absichere, sondern selbst stark schwanke.

Der Kern der Kritik lautet damit nicht, dass Bitcoin wertlos sei. Roubini zielt auf die Funktion als Wertspeicher und auf die Frage, ob Bitcoin in einem Portfolio denselben Zweck erfüllt wie Gold. Ein sicherer Hafen soll in Stressphasen Kapital bewahren, nicht zusätzliche Volatilität ins Depot bringen. Genau daran misst sich Bitcoin seit Jahren – und genau dort bleibt die Kryptowährung aus Sicht vieler Ökonomen unzureichend.

Die Gegenfrage aus der Bitcoin-Community ist bekannt: Gold sei über Jahrhunderte gewachsen und Bitcoin stehe erst am Anfang. Knappheit, Unabhängigkeit von Zentralbanken und ein global handelbares Netzwerk seien die eigentlichen Stärken. Doch die Streitfrage bleibt nicht philosophisch, sondern empirisch. Entscheidend ist, wie sich Bitcoin in realen Marktphasen verhält.

Ist Bitcoin ein sicherer Hafen?

Die kürzeste Antwort lautet: bisher nur sehr eingeschränkt. In der Finanzliteratur werden sichere Häfen über ihr Verhalten in Krisen definiert. Ein echter Safe Haven soll gerade dann stabil bleiben oder zumindest nicht mit Risikoanlagen mitbrechen, wenn Aktien, Unternehmensanleihen oder Kreditmärkte unter Druck geraten. Bei Bitcoin ist das Bild gemischt – und häufig negativ.

Mehrere Untersuchungen, unter anderem von Zentralbanken, Universitäten und Marktforschern, zeigen, dass Bitcoin in Stressphasen oft nicht entkoppelt, sondern mit risikobehafteten Märkten fällt. Besonders deutlich wurde das im März 2020 während des Corona-Schocks sowie in der Zinswende 2022: Bitcoin verlor zeitweise stärker als grosse Aktienindizes, obwohl beide Episoden gerade die These vom unabhängigen Wertspeicher auf die Probe stellten. Gold verhielt sich in diesen Phasen stabiler und erfüllte seine Schutzfunktion besser.

Die Frage nach dem sicheren Hafen hängt auch davon ab, gegen welchen Schock man absichern will. Gegen Inflation war Bitcoin in einzelnen Perioden durchaus attraktiv, vor allem in einer Phase sehr lockerer Geldpolitik und steigender Liquidität. Doch in dem Moment, in dem die US-Notenbank die Zinsen aggressiv anhob, drehte das Narrativ. Die Märkte bewerteten Bitcoin stärker wie einen Wachstums- und Tech-Trade als wie ein Geldersatz. Genau diese Korrelation mit riskanten Assets ist der Hauptgrund, weshalb viele Ökonomen Bitcoin nicht in die gleiche Kategorie wie Gold einordnen.

Bitcoin vs. Gold: die wichtigsten Unterschiede

Kriterium Bitcoin Gold
Volatilität Sehr hoch, teils starke Tages- und Monatsbewegungen Deutlich geringer, historisch stabiler
Krisenverhalten Oft mit Risikoanlagen korreliert Häufiger als Absicherung gesucht
Liquidität Hoch, aber stark börsen- und marktzyklusabhängig Sehr hoch, global etabliert
Wertspeicher Umstritten, stark narrativgetrieben Historisch anerkannt
Preistreiber Sentiment, Liquidität, institutionelle Zuflüsse Zinsen, Realrenditen, geopolitische Nachfrage

Die Tabelle zeigt den Punkt, an dem sich die Debatte festfrisst: Bitcoin ist knapp, digital und global handelbar, aber das allein macht es noch nicht zu einem sicheren Hafen. Gold hat in Krisen über Jahrzehnte das gleiche Problem gelöst, das Bitcoin erst noch lösen muss – Vertrauen in turbulenten Zeiten.

Welche Daten sprechen für Roubinis Warnung?

Die stärksten Argumente gegen Bitcoin als sicherer Hafen sind Volatilität, Korrelation und Liquiditätsverhalten. Bitcoin schwankt seit Jahren deutlich stärker als Gold, Aktien oder selbst viele Rohstoffe. Diese Schwankungen sind nicht nur eine Frage von Tagesbewegungen, sondern prägen auch den langfristigen Charakter des Assets. Wer Bitcoin als Wertspeicher betrachtet, muss akzeptieren, dass sich der Marktwert in kurzen Zeiträumen massiv verändern kann.

Auch die Korrelation mit Aktien ist in mehreren Marktphasen gestiegen. Besonders auffällig war das in den Jahren 2021 bis 2024, als Bitcoin häufig parallel zu Technologieaktien reagierte. Das spricht gegen die Vorstellung eines unabhängigen Wertspeichers, der sich von klassischen Risikoassets abkoppelt. In Stressphasen verengt sich die Marktlogik oft auf dasselbe Muster: Liquidität wird reduziert, Leveraged Positionen werden abgebaut und spekulative Assets geraten unter Druck. Bitcoin ist davon besonders betroffen, weil ein grosser Teil der Marktteilnehmer mit kurzfristigen Erwartungen agiert.

Hinzu kommt die Frage der Liquidität. Zwar ist der Bitcoin-Markt heute tief und global, doch seine Liquidität ist nicht mit jener von Staatsanleihen oder Gold vergleichbar, wenn es um extreme Stressphasen geht. Der Markt ist stark von Börsen, Stablecoins, Derivaten und Geldströmen zwischen Krypto-Plattformen abhängig. Sobald Vertrauensprobleme entstehen, kann Liquidität schnell austrocknen. Genau das zeigte sich in früheren Korrekturen, als Handelsvolumen zwar gross waren, die reale Kaufbereitschaft aber abrupt zurückging.

Ein weiterer Punkt ist die Inflationserfahrung. Bitcoin wurde lange als Hedge gegen Geldentwertung vermarktet. In der Praxis funktionierte dieses Narrativ nur phasenweise. Der Preisanstieg in den frühen Jahren war oft eher Folge von Spekulation, wachsender Akzeptanz und lockerer Geldpolitik als von einem klaren Inflationsschutz. Als die Inflation 2022 tatsächlich hoch war, fiel Bitcoin gleichzeitig mit dem Liquiditätsentzug der Zentralbanken. Für Anleger ist das eine wichtige Lektion: Ein Asset kann knapp sein, ohne automatisch ein stabiler Inflationsschutz zu sein.

Was entgegnen Befürworter von Bitcoin?

Die Bitcoin-Seite hält dagegen, dass man ein junges Asset nicht mit einem Jahrhunderte alten Rohstoff vergleichen könne. Gold sei nicht deshalb ein sicherer Hafen, weil es perfekt funktioniere, sondern weil es sich historisch bewährt habe. Bitcoin müsse seinen Platz erst noch langfristig bestätigen. Viele Befürworter sehen gerade in der hohen Volatilität kein Gegenargument gegen den Wertspeicher-Charakter, sondern eine Folge der frühen Marktphase. Mit zunehmender Marktbreite, institutionellen Zuflüssen und höherer regulatorischer Klarheit könne Bitcoin stabiler werden.

Auch die Knappheit zählt zu den stärksten Pro-Argumenten. Das Angebot ist algorithmisch begrenzt, neue Einheiten können nicht wie bei Fiatwährungen beliebig geschaffen werden. Für Anleger, die Misstrauen gegenüber Geldpolitik und Staatsverschuldung haben, ist das ein entscheidender Unterschied zu Gold: Bitcoin ist digital, transportierbar und in Sekunden weltweit übertragbar. Gerade in autoritären Systemen oder bei Kapitalverkehrskontrollen kann diese Eigenschaft wertvoll sein.

Einige Marktbeobachter verweisen zudem darauf, dass Bitcoin nicht als direkter Gold-Ersatz, sondern als asymmetrischer Portfoliobaustein betrachtet werden sollte. In diesem Sinne muss Bitcoin nicht in jeder Krise steigen, um nützlich zu sein. Schon eine kleine Position könne das Renditeprofil eines diversifizierten Portfolios verbessern, solange der Einsatz begrenzt bleibt. Die Debatte verschiebt sich damit von der Frage «Sicherer Hafen oder nicht?» zur Frage «Welche Rolle soll Bitcoin im Portfolio konkret spielen?»

Andere Experten, darunter Krypto-Analysten und einzelne Vermögensverwalter, argumentieren ausserdem, dass Korrelationen nicht statisch sind. Bitcoin habe Phasen erlebt, in denen es sich von Aktien entkoppelte, etwa bei idiosynkratischen Krypto-Rallys oder nach marktinternen Ereignissen wie Halvings, regulatorischen Freigaben oder grossen institutionellen Käufen. Die These lautet: Bitcoin sei kein perfekter sicherer Hafen, aber ein neuartiges Makro-Asset mit eigenem Zyklus.

Welche Folgen hat das für Anleger?

Für Investoren, die Bitcoin als Wertspeicher kaufen, ist die wichtigste Konsequenz eine nüchterne Erwartungshaltung. Wer Sicherheit sucht, bekommt mit Bitcoin keine stabile Kaufkraft wie bei kurzfristigen Staatsanleihen und keinen Krisenpuffer wie bei Gold. Bitcoin kann langfristig stark performen, aber er schützt nicht zuverlässig vor Drawdowns. Das sollte sich in der Positionsgrösse widerspiegeln.

Praktisch bedeutet das: Bitcoin eignet sich eher als spekulativer oder strategischer Nebenbaustein denn als Kernabsicherung. Wer den Vergleich mit Gold ernst nimmt, sollte beide Assets nicht aus dem Bauch heraus gleich behandeln, sondern nach Funktion trennen. Gold dient vielen Anlegern als defensives Reserveinstrument, Bitcoin eher als chancenorientierter Wachstums- und Optionsbaustein. Diese Unterscheidung hilft, unnötige Enttäuschungen zu vermeiden.

Auch Diversifikation bleibt zentral. Eine kleine Bitcoin-Quote kann in einem breit gestreuten Portfolio sinnvoll sein, sofern der Anleger starke Schwankungen aushält und die Position nicht kurzfristig benötigt. Wer hingegen eine Reserve für Notfälle, Inflationsschutz oder Kapitalerhalt aufbauen will, sollte sich nicht auf Bitcoin verlassen. In diesem Fall sind Liquiditätsreserve, hochwertige Anleihen, Geldmarktinstrumente und gegebenenfalls Gold die deutlich näherliegenden Instrumente.

Entscheidend ist zudem der Anlagehorizont. Bitcoin reagiert empfindlich auf Zinswenden, Marktliquidität und Risikoappetit. Wer nur auf ein einzelnes Jahr blickt, überschätzt leicht den Safe-Haven-Charakter oder unterschätzt den Drawdown. Wer dagegen einen langen Horizont hat und starke Schwankungen aushält, kann Bitcoin als ergänzendes Engagement sehen. Die Funktion als Wertspeicher bleibt trotzdem umstritten – und genau das macht eine saubere Portfolio-Logik so wichtig.

Bitcoin ist eher Wette als Schutzschild

Roubinis Einwand trifft einen wunden Punkt: Bitcoin hat bisher nicht bewiesen, dass es in Krisen zuverlässig als sicherer Hafen funktioniert. Die stärksten Daten sprechen für hohe Volatilität, eine wiederkehrende Nähe zu Risikoassets und ein Liquiditätsverhalten, das in Stressphasen eher verletzlich als stabil wirkt. Bitcoin kann ein knappes, interessantes und potenziell wertvolles Asset sein. Als Ersatz für Gold überzeugt es aber nur bedingt. Für Anleger heisst das: nicht blind dem Wertspeicher-Narrativ folgen, sondern Bitcoin als das behandeln, was es derzeit am ehesten ist – ein chancenreiches, aber schwankungsanfälliges Anlageinstrument mit offenem Ausgang.

 

Alle in diesem Blog getroffenen Aussagen sind die persönlichen Meinungen der Autoren und stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung für den Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten dar. Der Handel mit Kryptowährung ist risikoreich und sollte gut überlegt sein. Wir übernehmen keinerlei Haftung.

 



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